Da ist er wieder, Amiga 3000 zurück aus der Reparatur

Cyberstorm ade, Hallo A3640

Nachdem der Amiga wieder läuft habe ich einige Änderungen vorgenommen. Die größte Änderung ist der Tausch der CPU-Karte. Ich habe die Cyberstorm MK II 040 entfernt und gegen eine langsamere A3640 ersetzt. Im Gegensatz zur Cyberstorm besitzt die A3640 keinen lokalen Ram-Speicher und die CPU, ebenfalls ein 68040, ist nur mit 25 MHz getaktet. Warum ich das getan habe werde ich ein einem anderen Artikel genauer erläutern.


Für eine grobe Einordnung der Leistung der 68K-Familie habe ich mal etwas recherchiert:


CPU MHz MIPS
68000 7 1
68030 25 16
68040 25 19
68040 40 28
68060 50 66



Durch den Tausch hat der Amiga also einiges an Rechenleistung verloren. Funfakt am Rande, die Rechenleistung der 68K-Familie reicht nicht aus um problemlos MP3s abspielen zu können. Einzig der 68060 ist, ohne Tricks, dazu in der Lage. Den gab es allerdings nie serienmäßig in einem Amiga.


Schwer wiegt der Wegfall des Fast-Rams, der Amiga besitzt so nur 2 MB Chip-Ram was für einen sinnvollen Betrieb nicht ausreicht. Der Amiga 3000 läßt sich allerdings auch direkt auf dem Mainboard mit Ram erweitern, was ich dann auch getan habe, doch dazu später mehr.


Die A3640 ist eine sehr einfache Prozessorkarte und wurde von Commodore selbst in vielen Geräten eingesetzt. Eine schnellere CPU wurde meines Wissens von Commodore nie verbaut.


A3640


Seltsamer Weise war auf meiner neu gekauften A3640 nur eine LC-CPU verbaut. Bei den LC-Typen fehlt, bzw. ist der mathematische Koprozessor defekt. Ich habe in meiner Grabbelkiste allerdings noch eine vollwertige CPU gefunden und die LC-Variante ausgetauscht. Warum ich einen einzelnen, vollwertigen 040er besitze weiß ich allerdings auch nicht mehr. Wann und warum habe ich den gekauft? Keine Ahnung.


68LC040 68040


Da die CPU im Betrieb doch recht warm wird habe ich einen Lüfter auf den Kühlkörper gesetzt. Normalerweise gibt es im Amiga 3000 dafür nicht genug Platz, da sich allerdings schon mal jemand am Träger zu schaffen gemacht hat, ist das aktuell kein Problem mehr. Das Aufschneiden des Laufwerksträgers war damals übrigens eine recht beliebte Tuningmaßnahme.


A3640 68030

Das Ram-Drama

Da ohne die Cyberstorm das ganze Fast-Ram verloren gegangen ist habe ich wieder Ram auf das Mainboard gesetzt. Ebenfalls in meiner Grabbelkiste habe ich ein Tütchen mit 8 MB Zip-Ram gefunden. Ich hatte das damals entfernt weil die Cyberstorm nicht mit Onboard-Ram booten wollte.


Ich werde bei Gelegenheit das Fast-Ram auf das Maximum von 16 Fast-Ram auf dem Mainboard aufrüsten. Ich hatte mir zwar schon mal zwei zusätzliche MB besorgt, aber natürlich prompt ein paar Fehler beim Kauf gemacht.


Zum einen habe ich nicht den Ram-Typ beachtet. Die vorhandenen 8 MB gehören zum Typ „Static Column“ Ram, das was ich gekauft habe gehört zum Typ „Fast Page“. „Static Column“ ist teurer aber auch leistungsfähiger, allerdings auch nur wenn man keine CPU-Karte, sondern die Onboard-CPU verwendet.


Mischen ist möglich, allerdings nur wenn man die erste Speicherbank mit „Fast Page“ bestückt. Zum anderen sind 2 MB Ram zu wenig, es muß immer eine komplette Bank bestückt werden und das sind mindestens 4 MB mit acht einzelnen Chips.



Erste Bank bestückt mit 8 Chips a 512kb.


Ja, wenn man sich mal nur vorher informiert hätte. Nach dem Kauf viel mir das alles wieder ein, das war natürlich auch schon vor 25 Jahren ein Thema.


Mit 8 MB Fast-Ram und 2 MB Chip-Ram läßt sich aber schon ganz gut was anfangen.


Noch mal kurz zusammen gefasst falls Jemand mal vor dem selben Problem steht, beim Ram-Ausbau mit ZIP-Ram im Amiga 3000 ist folgendes zu beachten:


  • Es gibt zwei Ram-Sorten: „Static Column“ und „Fast Page“
  • „Static Column“ bringt ca. 10% mehr Leistung mit dem 030er auf dem Mainboard, ist jedoch teurer
  • „Static Column“ und „Fast Page“ kann gemischt werden wenn die erste (von Vier) Ram-Bänken mit „Fast Page“ bestückt werden.
  • Es muß immer eine Bank komplett bestückt werden. Dazu braucht man 4 MB Ram oder 8 Chips a 512 KB.
  • Die maximale Bestückung beträgt 16 MB Ram. Darüber hinaus sind folgende Abstufungen möglich: 4 MB, 8 MB und 12 MB

AmigaOS 3.1.4

Seit 2018 gibt es wieder eine neue Version vom AmigaOS. Da es da einige praktische Neuerungen gibt, habe ich mir die auch mal besorgt. Eine kleine Besonderheit beim Amiga ist die Aufteilung. Ein Teil des Betriebssystems sitzt in einem ROM das dann bei neuen Versionen auch getauscht werden muß.


Eine der wichtigsten Neuerung ist die Unterstützung von großen Laufwerken. Mit AmigaOS 3.1 waren ursprünglich nur Partitionsgrößen von 4 GB möglich. Bzw. mußte die Bootpartition zwingend in den ersten 4 GB liegen. Diese Einschränkung gibt es nun nicht mehr und Partitionen können beliebig groß sein.


So habe ich dann auch meinen Amiga mit AmigaOS 3.1.4 ausgestattet und auch entsprechende ROMs eingebaut.


Kickstart 3.1 Kickstart 3.1.4

IDE für den Datenaustausch

Da der Amiga noch über keine Internetverbindung verfügt brauche ich eine andere Möglichkeit für den Datenaustausch um an aktuelle Software zu kommen. Ich habe zwar ein externes CD-Rom-Laufwerk, allerdings erscheint mir die Lösung für alles immer eine CD zu brennen etwas suboptimal. Also habe ich einen IDE-Controller gekauft um eine CF-Karte für den Datenaustausch nutzen zu können.


Glücklicherweise gibt es IDE-Controller aktuell neu zu kaufen. Ein Hersteller ist individual Computers bei dem man den Buddha-Controller kaufen kann. Das ist ein IDE-Controller mit zwei Kanälen, man kann also maximal vier Geräte daran anschließen.



An einen Port habe ich einen CF-Karten-Adapter, der an einem Slotblech hängt, angeschlossen. Leider ist die Karte an der Rückseite etwas schwer zugänglich, da mir aber sonst keine bessere Lösung einfällt, werde ich erst mal damit leben müssen.



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Die CF-Karte erreicht Übertragungsraten von ca. 2 MB/s und fühlt sich ziemlich flott an. Ich habe spaßeshalber auch mal eine SATA-Festplatte (mit einem SATA-IDE-Adapter) an den anderen Kanal angeschlossen und auch die funktioniert problemlos.


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Es gab allerdings ein Problem im Zusammenhang mit dem Arbeitsspeicher. 10 MB Ram reichen nicht aus um eine 250 GB Fastplatte zu betreiben da man hier nicht alle Partitionen formatieren kann. Ich habe dann noch eine kleinere Festplatte mit 120 GB gefunden, diese ließ ich dann auch mit dem wenigen Ram formatieren. Auch hier liegen die Übertragungsraten bei ca. 2 MB/s. Der limitierende Faktor scheint hier die Busanbindung zu sein. Die Anbindung erfolgt nur übe Zorro II / 16 Bist anstatt über Zorro III / 32 Bit.


Für den SCSI-Bus gibt es aktuell leider keine wirklich praktikablen Möglichkeiten für einen Datenaustausch mit SD- oder CF-Karten. Alle Möglichkeiten die es gab sind mittlerweile vom Markt verschwunden und nicht mehr oder nur noch sehr schwer erhältlich.

SCSI2SD

Es gibt mit SCSI2SD Hardware um SCSI-Festplatten ersetzen zu können. Hier kommt eine Adapterplatine zum Einsatz die die Verwendung einer SD-Karte erlaubt. Im 3000er bietet sich der Einsatz der Versionen V5.1 und V6 an.



V5.1 ist älter und nicht ganz so schnell wie die V6, allerdings kann man die Leistung der V6 im 3000er nicht nutzen da der Controller zu langsam ist. Welche Version sollte man sich anschaffen? Die Antwort ist nicht ganz so einfach, da die V6 ein ganzes Stück teurer ist. Bekommt man die V5.1 für rund 70 EUR muß man für die V6 schon über 100 EUR anlegen. Wenn man sich sicher ist ist das man den Amiga nicht mit einem schnelleren SCSI-Kontroller ausstattet, dann reicht auch die V5.1 locker aus.


Ich erreiche mit der V5.1 Transferraten bis zu 1,5 MB/s am internen Controller vom Amiga 3000, bei der V6 sollen bis zu 7 MB/s an einer Cyberstorm MK2 mit SCSI möglich sein.


Bei beiden Versionen lassen sich die SD-Karten übrigens auch für den Datenaustausch am PC verwenden und in einem Emulator wie UAE lesen und beschreiben. Die V6 bietet zusätzlich einen USB-Port der die Verwendung der SD-Karte als USB-Stick erlaubt.


Da die Platine aber vermutlich eher im Inneren an den Laufwerksplätzen ihren Platz findet ist die Möglichkeit generell eher eingeschränkt da man sonst jedes mal das Gehäuse aufschrauben müßte. Es gibt aber auch Verlängerungen mit denen man die Karte an anderen Stellen platzieren kann.


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Hier muß ich aber dazu schreiben das ich, im Gegensatz zu allen anderen verlinkten Artikeln, bisher noch keine eigenen Erfahrung damit gesammelt habe.


Die Konfiguration ist nicht ganz so einfach da man dem SCSI2SD manuell mitteilen muß wie groß die eingelegte SD-Karte ist.


Der größte Stolperstein ist die Tatsache das die aufgedruckte Speichergröße nicht mit der Realität überein stimmt. Eine Speicherkarte von 8 Gigabyte Größe kann praktisch nur 7,5 GB Daten speichern. Das kommt daher das die Hersteller mit 1.000 MB pro Gigabyte rechnen, tatsächlich sind es aber 1.024 MB. Darum darf man nicht einfach die aufgedruckte Größe in der Konfiguration angeben sondern weniger, anderenfalls kommt es zu Fehlern wenn man in einen Bereich schreiben will den es gar nicht gibt.


Es gibt einen "Trick" um die genaue Größe zu ermitteln. Wenn man das SCSI2SD per USB verbindet und die Software startet wird die Größe der SD-Karte im Log ausgegeben:


Die kann man Kopieren und an der entsprechenden Stelle in der Konfiguration eingeben:

Die restlichen Einstellungen für die Version 5.1 am internen SCSI-Anschluß sollten wie folgt gesetzt werden:

Ist das SCSI2SD nicht das erste oder letzte Gerät in der Kette, dann muß man noch die Terminierung (General Settings) anpassen.


Anschließend kann man die Konfiguration auf die Karte sichern und eine Partitionierung / Formatierung in der HD-Toolbox durchführen. In der HD-Toolbox verhält sich die SD-Karte wie eine ganz normale Festplatte.

Netzteillüfter

Der Lüfter im Netzteil ist laut und nicht gesteuert. Ich habe mal nach einem Ersatz gesucht und bin dabei auf den Noctua NF-R8 redux-1800 gestoßen:



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der hat die selben Leistungsdaten wie der Originallüfter. Allerdings war das Ergebnis nach dem Einbau doch etwas ernüchternd, der Noctua ist fast so laut wie das Original. Für Leute die denen das nichts ausmacht ist der Lüfter ein sehr guter Ersatz, ich hätte es aber gerne doch etwas leiser.


Ich habe dann mal zum Testen einen Arctic F8 Silent eingebaut den ich noch da hatte:


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Das ist dann schon eher das Geräuschniveau das ich mir vorstelle. Allerdings schaufelt der Lüfter auch nur die Hälfte der Luft in der selben Zeit durch das Gehäuse, ideal sieht also anders aus.


Hier besteht noch Optimierungsbedarf. Mit der A3640 und der PicassoIV sind zwei größere Wärmequellen enthalten die einer adäquaten Kühlung bedürfen.

Aktuelle Konfiguration

Der aktuelle Stand sieht also wie folgt aus:


CPU 68040 mit 25 MHz auf einer Commodore A3640
Chip-Ram 2 MB Ram
Fast-Ram 8 MB Zip-Ram
Laufwerk SCSI2SD V5.1 mit 16 GB SD-Karte
Grafikkarte Village Tronic PicassoIV
Netzwerkkarte Village Tronic Ariadne II
IDE-Karte iComp Buddha


Was ist noch zu tun?

Nicht mehr viel. Da wäre primär die Aufrüstung des Rams auf 16 MB. Danach ist der 3000er soweit "fertig" und ich kann auch wieder die Netzwerkkarte einbauen. Das habe ich jetzt nicht gemacht da die Karte wahnsinnig schwer rein geht und ich sie erst wieder einsetzen will wenn ich sicher bin das ich sie nicht wieder ausbauen muß.


Danach werde ich auch wohl wieder den IDE-Controller samt CF-Kartenleser entfernen. Der ist ja primär nur für den Datenaustausch da und mit Netzwerkkarte ist er dann nicht mehr notwendig.


Und es steht natürlich die Einrichtung des System an. Ich habe bisher zwei Partitionen angelegt, eine für das Betriebssystem und eine für Daten. Dorthin habe ich auch die Inhalte meiner alten SCSI-Platten gesichert. Mein ursprüngliches Ziel, die Daten zu sichern, habe ich damit erreicht.

    Kommentare 6

    • Wo hast du deinen Amiga denn reparieren lassen?

      • Hallo,


        da die Reparatur nicht zufriedenstellend verlaufen ist, bzw. wieder Defekte im Akku-Bereich aufgetreten sind, kann ich die Firma nicht weiter empfehlen und möchte sie auch nicht erwähnen.


        Grüße Tom

    • Und warum hast Du jetzt deine Cyberstorm Turbokarte gegen eine langsame 3640 getauscht?

      • Hi,


        weil ich mir einen 4000er gekauft habe. Dort steckt jetzt die Cyberstorm nach einem 060er Umbau. Allerdings habe ich für den 3000er auch wieder eine Cyberstorm besorgt, die 3640 fliegt dann wieder raus. Teile des Artikels sind schon wieder nicht mehr aktuell.


        Grüße Tom

      • Habe auch seit kurzem einen A3000, und habe dort auch meine 3640 aus dem A4000 eingebaut.

        Und weil die keinen eigenen Speicher hat, und mir für ein zwei Anwendungen 16MB Fastram zu wenig waren.

        Habe ich mir eine 256MB Zorro3 BigRam Erweiterung geholt. Werde zwar an diesem Rechner nie 256MB brauchen, aber was man hat, hat man eben. :-)

      • Ja das stimmt. Ursprünglich wollte ich mir für den 3000er auch eine BigRam holen da ich ihn für ShapeShifter nutzen will, aber dann habe ich die zweite Cyberstorm bekommen. Trotzdem war das eine sinnlose Aktion, ich denke ich verkaufe den 4000er wieder da ich den gar nicht nutze, das war reiner Habenwollenreflex da ich früher nie ein AGA-Gerät besessen habe.