Tenda Nova MW6 - Lowcost Mesh WLAN im Praxistest

Lesezeit: 6 Minuten

Meine bisherigen Erfahrungen mit Mesh-WLAN sind durchwachsen. Ich habe es bisher mit AiMesh von Asus versucht, das war leider ein Reinfall. Trotz teurer Hardware, ca. 150 EUR pro Knoten, blieb die Leistung und die Zuverlässigkeit weit hinter den Erwartungen zurück. Entsprechend ging nicht nicht mit hohen Erwartungen an das Mesh-System von Tenda.


Ich habe mich zum Testen für das Nova MW6 entschieden. Hier bekommt man drei Knoten für das Geld. Die sollen bis zu 500m2 abdecken können. Unterstützt werden aktuelle Techniken wie Beanfoarming und Co. Lesen tut sich die Spezifikationen erst mal gut, ob die Praxis dann hält was die Theorie verspricht, sehen wir dann später.


Was aber definitiv fehlt und auch nicht per Update nachgerüstet werden kann ist ein Band. Bei dem MW6 handelt es sich um ein reines Dualbandsystem. Das heißt, die Kommunikation und die Datenübertragung laufen über die selben Kanäle. Bei Triband-Systemen gibt es ein extra Band nur für die Kommunikation der Meshknoten untereinander. Was das in der Praxis bedeutet sehen wir im weiteren Verlauf.

Lieferumfang, Inhalt und Haptik

Das Meshsystem kommt in einer schön bedruckten Packung daher. Der Inhalt ist ansprechend verpackt, in der Preisklasse Klasse kann man sich jedenfalls nicht über die Verpackung beschweren. Der schwarze Innenkarton versprüht einen Hauch von Eleganz.



Die Verarbeitung der Knoten ist gut. Sie sind überraschend leicht, was zunächst einen etwas zwiespältigen Eindruck bei mir hinterläßt. Aber vom Gewicht auf die Qualität der Datenübertragung zu schließen ist doch etwas weit hergeholt. Ein einzelner Würfel ist 10x10x10 cm groß und besitzt eine LED auf der Oberseite. Sonst gibt es nicht viel zu entdecken. Auf der Unterseite sind zwei Gigabit-Ethernetports und der Stromanschluss zu finden.


Ich finde die Optik sehr ansprechend. Die Würfel bestehen aus mattem Kunststoff dessen Seiten mit einer glänzenden Fuge segmentiert sind. Für Netzwerkhardware finde ich das Design gelungen.


Zwei Vertiefungen auf der Unterseite lassen darauf schleißen das man die Knoten auch an der Wand festschrauben kann. Ich werde das mal bei Gelegenheit versuchen. Montagematerial liegt dafür nicht bei, man muß hier wohl einfach die Schrauben etwas weiter aus der Wand schauen lassen.


Nach dem Auspacken liegen folgende Dinge auf dem Tisch:


  • Drei Meshknoten 10x210x10 cm groß
  • Drei Netzteile
  • Dokumentation
  • Ethernetkabel für den Anschluß ans Internet



Es können insgesamt bis zu 10 Konten in einem Mesh verwendet werden, Tenda empfiehlt jedoch maximal 6 Knoten. Das dürfte auch am fehlenden dritten Kanal liegen. Irgendwann beeinflusst der Kommunikationsoverhead die Performance negativ.

Betrieb

Die LED auf der Oberseite dient als Indikator für die Verbindungsqualität zwischen den Knoten. Anders als Grün habe ich sie bisher jedoch nicht leuchten sehen. Die Farben und ihre Bedeutung:


  • Grün = Gutes Signal
  • Gelb = Mäßiges Signal
  • Pink = Schlechtes Signal


Blinkend = Es besteht keine Verbindung zum Internet.


Die LED kann übrigens für jeden Knoten einzeln über die App deaktiviert werden.


Die Inbetriebnahme ist super einfach. Man schnappt sich zunächst einen Knoten und schließt ihn mit dem beiliegenden Ethernetkabel am Router an. Danach versorgt man den Knoten mit Strom. Nachdem die LED aufgehört hat zu blinken und durchgehend Grün leuchtet kann man die weiteren Knoten platzieren und mit Strom versorgen. Tenda empfiehlt übrigens einen Knotenabstand von ca. 10 Metern.


Das wars. Nun kann man die App laden und SSID sowie das Passwort ändern. Die Zugangsdaten sind auf der Unterseite der Konten zu finden. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich nach Updates suchen und die durchführen. Das WLAN ist nun betriebsbereit. Verwendet man die SSID und das Passwort des alten WLANs, kann man anschließend das alte WLAN im Router deaktivieren. Alle Klienten sollten sich dann automatisch mit dem neuen WLAN verbinden ohne das man erneut ein Passwort eingeben muß.


Ich muß sagen, so problemlos habe ich noch nie ein WLAN in Betrieb genommen.


Der Basisknoten ist bei mir im Erdgeschoß neben dem Router platziert. Die beiden anderen Knoten habe ich im ersten Obergeschoß platziert.


Alle Knoten haben zwei Gigabit Ethernetports. Beim Basisknoten dient ein Ethernetport als Uplink für das Internet, am zweiten Port kann man einen weiteren Klienten per Kabel anschließen. Bei den übrigen Knoten dienen beide Ports dann automatisch für Klienten ohne das man hier den Uplink gesondert konfigurieren muß.



Sehr schön ist das die Knoten kaum spürbar warm werden, die Stromaufnahme scheint also recht gering zu sein.

Die App

Der größte Schwachpunkt am Nova MW6 ist die App. Zum einen ist da die Sache das man zwingend auf die App angewiesen ist. Die Konten an sich lassen sich nicht anders konfigurieren, ein Webinterface fehlt völlig. Auf der Supportseite ist zwar zu lesen:


Zitat

Q 2: Can nova be set on web pages?

A 2: nova can be set only using the Tenda Wi-Fi app currently.


Aber ob tatsächlich noch ein Webinterface nachgeliefert wird, ist nicht sicher. Tatsache ist aktuell nun mal dass das Mesh jederzeit unbrauchbar werden kann wenn die App aus den App-Stores verschwindet.


Ein weiterer, vermeintlicher, Nachteil der App ist die Funktionsarmut. Im Prinzip gibt es, außer den Basics, kaum Konfigurationsmöglichkeiten. Das ist allerdings nicht für jeden ein Nachteil. Mir reichen die Konfigurationmöglichkeiten aus, aktuell vermisse ich nichts. Wichtige Dinge die man unter anderem einstellen kann:


  • SSID + Passwort
  • Gästetzwerk
  • Kindersicherung
  • Fast Rouming
  • Leistungsmodus
  • Portweiterleitung
  • Firmwareupdates
  • Automatischer Neustart


  



Darüber hinaus kann man sich ansehen welche Geräte mit welchem Knoten verbunden sind und welche Bandbreite aktuell beim Up- oder Downstream verwendet wird. Viel mehr gibt die App nicht her. Dinge wie die Verschlüsselung lassen sich nicht einstellen und mehr als WPA2 wird aktuell nicht unterstützt.


Es gibt hier und da Befürchtungen die App oder das Mesh würden nach Hause telefonieren, also nach China, aber in der Richtung gibt es keine Berichte und auch meine Routerlogs zeigen in der Hinsicht keine Aktivitäten.


Etwas unschön ist die Tatsache das auf Firmwareupdates nicht aufmerksam gemacht wird. Weder benachrichtigt einen die App, noch machen die LEDs der Knoten auf ein Update aufmerksam. Das ist schade, so muß man immer selbst hin und wieder die Suche nach neuen Versionen in der App manuell starten.


Insgesamt ist die Softwareseite sehr rudimentär ausgefallen, das muß aber nicht zwingend ein Nachteil sein.

Zuverlässigkeit und Leistung

Kommen wir zum interessantestem Kapitel, was vermag das MW6 zu leisten? Bei der Zuverlässigkeit ist das MW6 ganz weit vorne dabei. Ich hatte noch nie ein lokales WLAN das so zuverlässig und stabil funktioniert hat. Egal wann ein einen DSL-Test durchführe, ich erreiche immer die maximale Bandbreite. Und bisher habe ich noch nicht erlebt das sich das Mesh aufgehängt hat. Ein manueller Neustart war, in den zwei Monaten in denen das Mesh hier läuft, nicht notwendig.


Und wie sieht es mit der Übertragungsleistung aus? Hier kommt es darauf an wofür man sein WLAN benötigt. Ich habe DSL 50 und benötige das WLAN nur für den Anschluß diverser Klienten an das Internet. Eine höhere Übertragungsleistung als 50 MBit/s (6,25 MB/s) benötige ich also nicht. Und das liefert das Mesh stabil zu jeder Zeit an allen Knoten.


Sogar mehr als das, ich habe zum ersten mal Übertragungsraten von mehr als 50 MBit/s gesehen. Tatsächlich scheint die Bandbreite des Anschlusses zwischen 52 und 58 MBit/s zu liegen und ich habe zum ersten mal Werte über 7,0 MB/s gesehen. Bei den alten Router- / Repeater- / Mesh-Kombinationen lag ich immer knapp unter 50 MBit/s.


Beim Tests der Datenübertragung zwischen zwei Geräten bin ich dann recht schnell an die Grenzen des MW6 gestoßen. Es scheint so als ob Raten bis zu 80 MBit/s (10,0 MB/s) zuverlässig übertragen werden können. Alles das darüber hinaus geht ist dann nicht mehr mit stabilen Übertragungsraten machbar. Größere Dateien werden mindestens mit 80 MBit/s (10,0 MB/s) übertragen und es sind Spitzen bis zu 136 MBit/s (17,0 MB/s) möglich, meist stabilisiert sich die Übertragungsrate allerdings bei 80 MBit/s (10,0 MB/s) bis 100 MBit/s (12,5 MB/s).



Die Testgeräte befanden sich hier jeweils ca. 4 Meter von einem Knoten entfernt und waren über 5 GHz verbunden. Verkürzt man die Entfernung sollten bessere Werte erreichbar sein, für mich ist das aber nicht praxisrelevant da ich nicht jedes mal zu einem Knoten gehe wenn ich Daten übertragen will.


Im Garten, mit ca. 20 Meter Abstand zu den Knoten, erreiche ich bei wiederholten Tests noch 12 MBit/s beim Downstream und 4 MBit/s beim Upstream. Das ist für mal eben Zwischendurch mal etwas Nachsehen mehr als genug.

Fazit der Leistungstests

Das MW6 überträgt locker 50 MBit/s und hat hier noch deutlich Luft nach oben. Bei 100 MBit/s wird es allerdings schon recht knapp. Hier sind bei mir keine dauerhaft stabilen Übertragungsraten möglich obwohl alle Knoten-LEDs grün leuchten. Die Übertragungsrate pendelt sich so ca. bei 80 -100 MBit/s ein. In der Spitze konnte ich Übertragungsraten bis 136 MBit/s ermitteln die jedoch nicht dauerhaft zu halten waren.


Mit einem DSL50-Anschluß kann man das MW6 nicht auslasten. DSL100 und Höher sind allerdings zu viel für das MW6, hier ist es nicht möglich dauerhaft das Maximum aus dem Anschluß heraus zu holen.

Allgemeines Fazit

Mit knapp mehr als 100 EUR gehört das Nova MW6 von Tenda zu den preiswertesten Vertretern der Mesh-WLANs. Das man, angesichts des Preises, hier und Abstriche machen muß sollte klar sein. Ich habe mir das System spontan bei einer Aktion gekauft und bin nur mit geringen Erwartungen an den Einsatz gegangen. Aber mich hat das günstige Mesh-System bisher rundum überzeugt. Die Einrichtung ist mehr als einfach und die Leistung reicht für meine Internetanbindung mehr als aus.


Wer also wie ich, lediglich ein Einfamilienhaus flächendeckend mit einer stabilen Internetanbindung versorgen will, dem kann ich das Nova MW6 wärmstens empfehlen. 80 MBit/s sollten auch im letzten Eck zuverlässig erreichbar sein.


Wer jedoch mehr mit seinem Netzwerk vor hat oder eine schnellere Internetanbindung als 50 MBit/s besitzt, der sollte sich nach einer leistungsstärkeren Tribandlösung wie dem MW12 umsehen.


Tenda Nova MW6 3x echtes Dual-Band Mesh WLAN Komplettlösung (Bis zu 500m² WLAN, 3x Stationen, 6x Gigabit Ports, für Häuser, Büros, Wohnungen, MU-MIMO, Beamforming), Powerline & Repeater
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Tenda Nova MW12 WLAN Mesh-System AC2100 Tri-Band (9X Gigabit-Ports, 600m² WLAN-Abdeckung, App-Steuerung, Einfache Installation, Kompatibel mit Alexa, 3er-Pack) Ersetzt Router, Repeater & Powerline
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Zusammenfassung

Positive Eigenschaften

  • Günstiges Gesamtpaket
  • Optisch ansprechendes Design
  • Einfache Konfiguration


Negative Eigenschaften

  • Abhängigkeit von einer App
  • Fehlen eines Webinterfaces

Bewertung

Hat Potential
Brauchbar
Gut
Ausgezeichnet

Kommentare 3

  • Wo her weiß ich ob ich mit dem 5g Netzwerk verbunden bin? Ich möchte mir die Würfel auch holen, allerdings, ist in der Bedienungsanleitung, nicht einmal beschrieben, geschweige erwähnt (außer in den technischen Daten) , daß man ein 2.4g und 5g Netzwerk hat. Ich hoffe mal, du kannst mir mit deiner Erfahrung die du in der Zwischenzeit gesammelt hast weiterhelfen.


    Grüße 🙋🏻‍♂️

  • Danke für den Test :)

    • Gerne, ich hoffe er war auch hilfreich. Ich bin immer noch super zufrieden, hätte ich gar nicht gedacht. aber das WLAN läuft einfach problemlos im Hintergrund.