SSD-Recycling mit dem Envoy Pro Gehäuse von OWC

Hat man seinen Mac mit einer neuen SSD aufgerüstet stellt sich zwangsläufig die Frage, was macht man mit der alten SSD? Aufgrund einer möglichen Datenrekonstruktion sehe ich persönlich grundsätzlich von einem Verkauf von Laufwerken ab. Ein Verkauf ist ja aber auch, rein aus finanziellen Gründen, nicht unbedingt immer sinnvoll und wer hat denn schon etwas gegen ein wenig zusätzlichen Speicherplatz einzuwenden?


Prinzipiell hat zumindest Apple etwas dagegen. Durch den proprietären Anschluß steht man vor dem Problem das man die SSD nicht einfach irgendwo anders unter bringen kann. Der Hersteller OWC hat sich diesem Problem angenommen und bietet diverse externe Gehäuse an die mit einer originalen Apple-SSD bestückt werden können. Eines davon hört auf den Namen Envoy Pro. Hier lassen sich diverse SATA- und PCIe-SSDs im Bladeformat von Apple einsetzen. Grob zusammen gefasst sollte das auf alle Macs von Ende 2012 bis Anfang 2015 zutreffen. Für ältere und neuere Macs bietet OWC andere Gehäuse an. Hier sollte man sich also vor dem Kauf genau informieren welches Gehäuse man benötigt. Das hier angesprochene Modell MAU3ENPRPCI ist, unter anderem, für SSDs aus eine Mac Pro Late 2013 geeignet.


Lieferumfang

Schauen wir uns zunächst den Lieferumfang an. Da wäre zum einen das Gehäuse selbst, das sich in einem schicken Samttäschchen befindet. Das soll einem dann wohl später als Transportschutz dienen. Dann haben wir eine bebilderte Montageanleitung und, für den Anschluß, ein USB3-Kabel mit 55 cm Länge. Zu guter Letzt finden wir noch ein kleines Tütchen mit Schrauben und einer Gummiestreifen der später als Fuß dient.



Erster Eindruck

Der erste Eindruck ist nicht unbedingt positiv. Das liegt am Geruch. Genauer gesagt, am Geruch des Beutels. Dieser verströmt einen unangenehmen, scharfen Geruch. Am besten lässt man den Beutel ein paar Tage an einer geeigneten Stelle auslüften.


Das Gehäuse macht einen guten Eindruck. Es handelt sich hierbei um ein, aus massiven Aluminum, gefrästes Unibodydesign. Veredelt wurde das ganze mit einer silbernen Eloxierung die fast genau das Apple-Silber trifft. Man muss schon genau hinsehen um einen Unterschied zu erkennen. Die Produkt- und Kennzeichnungsaufkleber auf der Unterseite passen nicht ganz zum hochwertigen Auftrifft, aber die lassen sich vermutlich recht einfach entfernen.


Im Inneren befindet sich eine sauber gefertigte Platine die mit der SSD bestückt werden kann. Leider verströmt auch die Platine einen unangenehm starken Geruch nach „Elektronik“. Sie sieht zwar nur eingelegt aus und es sind keine Befestigungsschrauben zu sehen, dennoch lässt sie sich nicht entfernen auch wenn die Seite mit dem USB-Port locker sitzt. Ich vermute das die Platine punktuell auf der Unterseite festgeklebt ist. Man versucht besser nicht die Platine heraus zu nehmen auch wenn es für das Einstecken der SSD einfacher wäre. Die Gefahr das die Platine hierbei beschädigt wird ist, meiner Meinung nach, sehr hoch.

Das Design

Da es sich um ein eloxiertes Aluminiumgehäuse handelt macht die Oberfläche qualitativ erst mal einen hochwertigen Eindruck. Allerdings weist das Gehäuse an den Unterseite eine sehr starke Fase auf. Dadurch wird versucht das Gehäuse schmal und schwebend aussehen zu lassen. Das gelingt zwar auch aber mir persönlich gefällt die Form gar nicht. Ich hätte an der Stelle eine normale Quaderform mit leichter Fase oder Abrundung bevorzugt. Die Zugriffe auf das Laufwerk werden in Form einer weißen, großen Leuchtanzeige an der kleinen Vorderseite dargestellt.





Hochwertig ausgeführt, aber nicht wirklich schön.

Der Zusammenbau

Hier gibt es nicht viel zu beachten. Man steckt die SSD in den Port und fixiert sie mit einer Schraube. Anschließend setzt man beide Gehäuseteile zusammen und schraubt auch diese mit zwei Schrauben zusammen. Dann klebt man noch den Gummistreifen an den vorgesehenen Platz und schon ist man fertig. Nun kann man das externe Laufwerk mit dem USB-Kabel am Mac anschließen.


Eine Hürde gibt es dennoch zu überwinden, für die Schrauben benötigt man einen Torx T5. Ich würde mal vermuten das dieser in 95% aller Haushalte nicht zu finden ist. Apple verwendet bei den eigenen SSDs übrigens einen Torx T8.


Wenig vertrauenserweckend ist die USB-Buchse ausgeführt. Der Stecker sitzt ziemlich locker in ihr. Bleibt zu hoffen dass das nur ein mechanisches Problem ist und es keine Auswirkungen auf die Datenübertragung hat.



Die Leistung

Leider ist die Leistung nicht so gut wie erwartet. Während man schon mit sehr günstigen USB3-Gehäusen für 10 EUR Übertragungsraten, lesend und schreibend, von über 400 MB/s erreicht, kommt das Envoy Pro nicht mal über 300 MB/s:




Man kann nur spekulieren woran das liegt, irgend eine Stelle in der Kette verhindert das Erreichen der tatsächlich möglichen Bandbreite. Vermutlich liegt das am verwendeten PCIe-USB-Chip. Hier scheint der Overhead einfach größer zu sein als bei SATA-USB. Ob das aber wirklich den Grund für diese, vergleichsweise, geringe Leistung sein kann?


Alleine das Starten vom Envoy Pro dauert gefühlt eine Ewigkeit. Zwischendurch hatte ich auch kurz das Gefühl der Vorgang hätte sich aufgehängt, nur das Flackern der Zugriffsanzeige zeigte das dem nicht so ist. Alle gemessenen Werte des Envoy Pro (links) liegen teils deutlich unter einem externen USB-Laufwerk (rechts):




4K QD32 ist für die Praxis nicht sehr relevant, allerdings sieht man hieran einfach das irgendwo in der Umsetzung nicht alles wie gewünscht verläuft. Der Wert liegt mal eben um den Faktor 35 niedriger als beim Betrieb im internen PCIe-Port.


Die Tests habe ich mehrfach durchgefühlt um einmalige Effekte auszuschließen, aber im großen und ganzen ist das die zu erwartende Leistung. Auch Tests von anderen Leuten zeigen nicht großartig andere Werte:. Ein Leistungswunder ist das Envoy Pro, trotz schneller PCIe-SSD, leider nicht geworden.

Fazit

Mit dem Gehäuse Envoy Pro von OWC kann man auf einfache Art seine Apple-SSD weiter verwenden. Allerdings lassen mich zwei Fakten daran zweifeln ob es wirklich eine gute Idee ist auf so ein Gehäuse zurück zu greifen. Zum einen ist da die Leistung, die Benchmarks liegen weit unter dem was technisch möglich wäre. Zum anderen ist da der Preis. Das Gehäuse kostet rund 100 EUR. Dafür bekommt man auch schon eine neue SATA-SSD wie die Samsung 850 Pro. Steckt man die in ein günstiges USB-Gehäuse, erhält man eine neue Lösung mit Garantie die technisch, auch gefühlt, deutlich schneller ist.


Hat man eine 128 GB große Apple-SSD, dann lohnt sich das Gehäuse auf keinen Fall. Bei einer 256 MB großen SSD lohnt es sich im Prinzip auch nicht, kann man aber machen. Bedingt empfehlenswert ist das Envoy Pro nur bei großen Apple-SSDs von 512 oder 1024 MB Größe. Hier muß man dann aber mit der schwachen Performance leben. Als Datengrab kann man Envoy Pro durchaus verwenden. Wenn Leistung gefragt ist, dann sollte man auf andere Lösungen zurück greifen.


Das Gehäuse ist aktuell auch bei Amazon erhältlich:


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Zusammenfassung



Positive Eigenschaften

  • Hochwertige Ausführung
  • Einfache Handhabung


Negative Eigenschaften

  • Hoher Preis
  • Unangenehmer Geruch
  • USB-Buchse hat viel Spiel
  • Leistung bleibt hinter den Möglichkeiten zurück
  • Spezialwerkzeug notwendig

Bewertung

Hat Potential
Brauchbar
Gut
Ausgezeichnet

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